
Lübbecke, Mai 2026 – Die Fraktion der Wählergemeinschaft Lübbecke Konkret (LK) und der FDP Lübbecke hat sich bei ihrer letzten Sitzung einstimmig zur Debatte um das Klinikum Lübbecker Land in Espelkamp positioniert. Die Kritik am Klinikum richtet sich überwiegend gegen
- die Kosten, aber auch gegen weitere Punkte wie
- die inakzeptable Waldrodung,
- den geplanten Bau eines Parkhauses im wertvollen Biotop Gabelhorst-Wald,
- die Nicht-Umsetzung des Pflichtenheftes bzw. der Bewertungsmatrix, z.B. ist die Mindestgröße von 10 ha nicht eingehalten,
- die übertriebene Planung von begleitenden nicht-medizinischen und medizinischen Nutzungen,
- die Verkehrssituation in Espelkamp wurde kleinräumig, aber nicht überregional betrachtet und
- die befürchtete Geruchsemissionen durch den benachbarten Landwirt mit Tierhaltung.
Das Baubudget für das Klinikum Espelkamp und den Anbau in Bad Oeynhausen wird unter Berücksichtigung von 5 % Preissteigerungen und Unvorhersehbarem mit 508 Mio. € veranschlagt, der Kreditbedarf mit 300 Mio. €, dazu kommen noch das Parkhaus in Espelkamp und die Abbruchkosten für das Krankenhaus in Lübbecke.
Der Fraktionsvorsitzender Bernd Sasse-Westermann befürchtet ein finanzielles Desaster: „Wie sagte Bürgermeister Philipp Knappmeyer in der Ratssitzung vom 31. März: ´Schulen, Kitas, Ehrenamt, Feuerwehr, Kultur, Sport, Innenstädte, Wohnraumentwicklung, Soziales, Straßenunterhaltung: Fast überall werden wir uns mit weniger als Hundert-Prozent-Lösungen zufriedengeben müssen.´ Im Mühlenkreis werden bei zukünftigen Entscheidungen voraussichtlich also andere Vorhaben gestrichen werden müssen, während die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger über Jahrzehnte spürbar bleiben. Der Landrat rechnet damit, dass dafür pro Einwohnerin und Einwohner im Kreis etwa vier bis fünf Euro monatlich anfallen würden – über einen Zeitraum von 30 Jahren. Zudem wird es dadurch eine deutliche Erhöhung der Grundsteuerhebesätze geben, mindestens auf den doppelten Wert von heute.“
Der Fraktionsvorsitzender Andreas Eickmeier: „Das Krankenhaus in Lübbecke ist als Regelversorger eingestuft und damit höher positioniert als der Neubau in Espelkamp als Grundversorger – ist ein so hoher finanzieller Aufwand dafür gerechtfertigt? Der Klinikneubau wird zudem dazu führen, dass zahlreiche medizinische Leistungen externer Anbieter am Standort Espelkamp gebündelt werden. Dies hat entsprechende überregionale Auswirkungen auf die übrigen Kommunen im Kreisgebiet und steht im Widerspruch zur Bauleitplanung in NRW.“
Die Sanierungskosten des Lübbecker Krankenhaus werden in einem Gutachten auf 155 Mio. €, in einem anderen Gutachten auf 216 bis 356 Mio. € geschätzt. Im MKK Management Paper Neubauprojekte heißt es: „Das Gebäude ist kaum sanierungsfähig und strukturell ungeeignet.“ Sasse-Westermann entgegnet: „Argumente wie „zu geringe lichte Höhen für heutige Medizintechnik“, die gegen eine Sanierung sprechen, lassen sich entkräften, indem die betroffene Abteilung stattdessen als Neubau auf dem Krankenhausgelände in Lübbecke errichtet wird und den dann entstehenden Freiraum für erste Sanierungsschritte nutzt, um Schritt für Schritt vorzugehen. Erforderlich ist eine belastbare Kostenberechnung für eine tatsächliche Sanierung und keine Umbauplanung des Krankenhauses Lübbecke.“
Eickmeier weiter: „Die FDP hatte bereits im Januar 2023 einen Bürgerentscheid im Kreistag beantragt, wurde im Rat jedoch überstimmt. Es ist davon auszugehen, dass die aktuelle Führungsebene der MKK bis zum Jahr 2030 eine personelle Neubesetzung erfahren wird. Dr. Olaf Bornemeier verabschiedet sich 2029 in den Ruhestand; wer nach 2030 die Geschicke als Landrat leiten wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch reine Spekulation. Daher ist es entscheidend, über das Jahr 2030 hinauszuplanen und unsere Entscheidungen mit der nötigen Weitsicht und Besonnenheit zu treffen. Wir sträuben uns gegen eine Investition, die eine sinnvolle Entwicklung des Kreises Minden-Lübbecke über Jahrzehnte blockiert, sodass für weitere Projekte und Vorhaben keine finanziellen Spielräume mehr bestehen. Unser gesamtes Kapital in Lübbecke würde restlos in die Bedienung der MKK-Schulden fließen. Heute fühlen wir uns getäuscht und ärgern uns über den teilweise herablassenden Ton. Kosten in Höhe von 19 Mio. € sind bereits entstanden, doch wie sagt der Volksmund: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“.
Die Fraktion aus LK und FDP fordert
- ein völlig neues Konzept für die Gesundheits- und Notfallversorgung im Kreis, welches alle aktuellen Entwicklungen für Flächenkreise berücksichtigt,
- dass dieses Konzept durch ein Gutachten unter Ausschluss aller bisherigen privaten Akteure erarbeitet wird (Eine mögliche Herangehensweise wäre es, das Projekt an Universitäten oder Hochschulen wissenschaftlich auszuschreiben) und
- dass sämtliche Planungen zum Klinikneubau sofort eingestellt werden.
Die Fraktion aus LK und FDP unterstützt ausdrücklich die Ansichten des Lübbecker Bürgermeisters Philipp Knappmeyer zum Klinikum Espelkamp und fordert einen Bürgerentscheid.